Eine ehrliche Einschätzung.
Ja, wir sind Makler — und trotzdem sagen wir: Es gibt Situationen, in denen ein Privatverkauf sinnvoll sein kann. Dieser Artikel ist kein Verkaufsgespräch, sondern eine ehrliche Abwägung beider Optionen. Am Ende müssen Sie entscheiden, was zu Ihrer Situation passt.
Was wir aber sagen können: Die meisten Menschen unterschätzen den Aufwand und die Risiken eines Privatverkaufs erheblich — und überschätzen dabei, wie viel sie durch den Wegfall der Maklerprovision wirklich sparen.
Der Privatverkauf — was steckt dahinter?
Der größte vermeintliche Vorteil beim Privatverkauf ist das Einsparen der Maklerprovision. Das klingt verlockend — aber schauen wir uns genauer an, was ein Privatverkauf wirklich bedeutet.
Was Sie selbst übernehmen müssen
- Marktpreisanalyse — Ohne Zugang zu echten Verkaufsdaten ist eine realistische Bewertung kaum möglich
- Unterlagen zusammenstellen — Grundbuchauszug, Energieausweis, Baupläne, Abrechnungen
- Professionelle Fotos — schlechte Fotos kosten Tausende Euro Verkaufspreis
- Exposé schreiben — vollständig, ansprechend und rechtssicher
- Inserate schalten — ImmoScout, Immowelt: kostenpflichtig, oft mehrere hundert Euro pro Monat
- Anfragen bearbeiten — oft Dutzende, viele davon unernst
- Interessenten vorqualifizieren — Bonität, Finanzierung, Kaufabsicht prüfen
- Besichtigungen durchführen — Terminkoordination, Vorbereitung, Nachbereitung
- Verhandlung führen — ohne Erfahrung oft nachteilig
- Kaufvertrag koordinieren — Notar, Entwurf, offene Fragen klären
Unterschätzter Aufwand: Ein professioneller Immobilienverkauf kostet einen erfahrenen Makler im Schnitt 40-80 Stunden Arbeitszeit. Das ist der Aufwand, den Sie beim Privatverkauf selbst investieren müssen — neben Ihrem normalen Alltag.
Was kostet was — der ehrliche Vergleich.
Schauen wir uns die Kosten an einem konkreten Beispiel an: Immobilienwert 350.000 €, Ruhrgebiet.
| Position | Privatverkauf | Mit Makler |
|---|---|---|
| Maklerprovision (Verkäufer) | 0 € | ca. 12.495 € (3,57%) |
| Professionelle Fotos | 300–600 € | inklusive |
| Inserate (3 Monate) | 400–900 € | inklusive |
| Energieausweis | 100–500 € | inklusive oder günstigere Konditionen |
| Längere Vermarktungszeit | Zinsen, laufende Kosten | kürzere Dauer |
| Preisrisiko durch falsche Bewertung | oft 5–15% des Wertes | gering |
Was viele nicht bedenken: Ein falscher Startpreis ist der teuerste Fehler beim Immobilienverkauf. Eine zu lange Vermarktungszeit signalisiert Käufern, dass etwas nicht stimmt — und drückt den Preis. Ein erfahrener Makler erzielt in der Regel einen höheren Verkaufspreis als der Eigentümer selbst, weil er den Markt kennt und ohne emotionale Bindung verhandelt.
Pro & Contra — der direkte Vergleich.
Privatverkauf
Verkauf mit Makler
Wann macht welche Option Sinn?
Privatverkauf kann sinnvoll sein wenn…
- Sie viel Zeit und Erfahrung mitbringen
- Sie bereits einen Käufer aus dem Bekanntenkreis haben
- Die Immobilie sehr einfach und der Marktpreis klar ist
- Sie keine emotionale Bindung an die Immobilie haben
Ein Makler lohnt sich besonders wenn…
- Sie wenig Zeit haben oder beruflich stark eingebunden sind
- Die Immobilie einen höheren Wert hat — bei 300.000 € aufwärts ist der Preisunterschied durch Marktkenntnisse oft größer als die Provision
- Die Lage oder das Objekt komplex ist
- Sie schnell verkaufen wollen oder müssen
- Sie sich bei Verhandlungen unwohl fühlen
- Es sich um eine Erbschaft oder Scheidungsimmobilie handelt
Die Maklerprovision — was gilt seit 2020?
Seit der Maklerreform im Dezember 2020 gilt beim Verkauf von Wohnimmobilien: Die Provision wird zwischen Käufer und Verkäufer geteilt. Wer als Verkäufer einen Makler beauftragt, zahlt höchstens die Hälfte der Gesamtprovision.
In der Praxis bedeutet das: Käufer und Verkäufer zahlen jeweils 3,57% — bei einem Verkaufspreis von 350.000 € sind das ca. 12.495 € auf Verkäuferseite. Die Gesamtprovision beträgt damit 7,14%.
Zur Einordnung: Wenn ein guter Makler durch bessere Vermarktung und Verhandlung nur 2% mehr Verkaufspreis erzielt — bei 350.000 € sind das 7.000 € — hat er einen großen Teil seiner Provision bereits mehr als verdient. Und das ist ein konservativer Schätzwert.
Fazit: Die ehrliche Antwort.
Es gibt keine universelle Antwort. Für einfache Objekte mit klarem Marktpreis und einem Eigentümer mit Zeit und Erfahrung kann ein Privatverkauf funktionieren. Für die meisten Eigentümer — besonders bei wertvolleren Immobilien, komplexen Situationen oder Zeitdruck — lohnt sich ein guter Makler finanziell und nervlich.
Was wir empfehlen: Holen Sie sich mindestens eine kostenlose Marktpreiseinschätzung ein, bevor Sie sich entscheiden. So wissen Sie, womit Sie es zu tun haben — und können dann in Ruhe entscheiden ob Sie selbst verkaufen oder einen Makler beauftragen wollen.